Autor: Anna

  • Die Forschungsfrage – die Hauptthese – der Fokus

    Die Forschungsfrage – die Hauptthese – der Fokus

    Immer wieder erlebe ich in Seminaren, dass Studierende sehr viel über ihr Thema wissen, sehr genau recherchieren, sich sehr viele Gedanken über Struktur und Literatur gemacht haben. Trotzdem kommt es vor, dass der Forschungsfokus nicht ganz klar ist. Das ist nicht ungewöhnlich, die Hauptthese begleitet uns schon bei der Themenfindunge. Sie bleibt uns aber auch bis zum Abschuss der Arbeit als Frage und Aufgabe „erhalten.“ Schreibend über die Forschungsfrage nachzudenken & dann in der Kleingruppe & im Plenum darüber zu diskutieren, bringt mehr Klarheit & öfters auch Aha-Erlebnisse!

    Diese Klarheit hilft bei der Literaturauswahl, bei der Struktur & schließlich auch beim Schreiben der Kapitel. Der Philosoph Hegel sagte: Das Bekannte ist noch nicht das Erkannte. Diese genaue Erkenntnis, was ist des „Pudels Kern“, die können wir uns gemeinsam im Seminar Frei geschrieben diskutierend und schreibend erarbeiten.

    (Markus M.)

  • Die Lösung passt nicht zum Problem!

    Die Lösung passt nicht zum Problem!

    Ich hab‘ zwar ka Ahnung, wo i hinfahr, aber dafür bin i g’schwinder dort!

    Dieser Satz aus einem Lied von Helmut Qualtinger beschreibt gut die Situation von manchen Schreibenden zu Beginn ihrer Arbeit. Sie haben eine vage Idee eines Vorhabens, eine unpräzise These, eine zu weit gefasste Forschungsfrage.

    Anstatt sich zu Beginn wirklich Zeit zu nehmen, das Ziel und die Struktur der Arbeit klar auszuformulieren, beginnen einige mit dem eifrigen Studieren & Auswerten vieler vieler Quellen, ohne ein Kriterium dafür zu haben, nach welchen Gesichtspunkten die Inhalte gefiltert werden.

    Bitte nicht falsch verstehen, alle müssen sich einmal einen Überblick über das Thema verschaffen & ein festgelegtes Ziel ist keine einzementierte Sache. Es ist ein vorläufiges Ziel, eine vorläufige Struktur, ein vorläufiger Plan, usw. Ich kann als Autor oder Autorin immer wieder modifizieren, ändern und ergänzen.

    Trotzdem ist es wichtig früh wichtige Entscheidungen zu treffen. Ziel ist es, den Forschungsgegenstand immer mehr einzuengen und somit eine Struktur und den Entwurf einer Gliederung zu ermöglichen.

    Dazu gehört auch der Zeitrahmen! Überlegungen zum Umfang der Arbeit und Umfang der zu bearbeitenden Materialien usw. Dieses Pläneschmieden ist von unangenehmen Gefühlen begleitet, da die „guten Vorsätze“ oft nicht eingehalten werden können. Aber die Praxis, zügig und ziellos dahin zu arbeiten, bringt langfristig mehr Frust und Probleme als die bewusste Auseinandersetzung mit diesen wichtigen Rahmenbestimmungen einer Abschlussarbeit.

    Wie so oft hilft ein Gespräch oder der Austausch mit Kolleg*innen!

  • Weißes Rauschen

    Weißes Rauschen

    Bei unserer beliebten und wirklich sehr aufschlussreichen Friendly-Feedback-Methode werden die Texte laut vorgelesen! Das ergibt einen neuen, bisher unbekannten Eindruck eines Textes. Dieses „Befremden“ dem eigenen Text gegenüber gibt mir gleichzeitig einen neuen Zugang zu ihm.

    Also, sich zwischendurch die eigenen Texte laut vorlesen, kann aufschlussreich sein – ist aufschlussreich! Gleich mal ausprobieren!

    Tipp: Sich auf einen Aspekt des Textes konzentrieren, am besten auf den Inhalt, das heißt, Rechtschreibung und Feinheiten bei den Formulierungen etc. einfach mal bei Seite lassen. Konzentrieren auf einen Aspekt! Sonst habe ich zu viele Nebengedanken im Hirn, das sind Störgeräusche – oder technisch ausgedrückt – Weißes Rauschen!

  • Überarbeiten

    Überarbeiten

    Überarbeiten ist ein wichtiger, wichtiger Teil des Schreibprozesses!

    Bitte genügend Zeit dafür einplanen! Zwei Zitate dazu:

    “There is no magical method: revising means rethinking and rewriting, again and again and again, until you feel like you´ve gotten it right.“

    “One of the best kept writing secrets around is that the more you revise, the clearer, more fluid, and more natural your writing will be. It´s not inspiration but hard work that produces simple, elegant writing.“

    (Joan Bolker)

  • Selbstreflexion

    Selbstreflexion

    Lesen – Schreiben – Lernen

    Viele unserer Gewohnheiten haben sich in der Schulzeit oder während des Studiums herauskristallisiert. Sich den eigenen Workflow vor Augen zu führen, kann eine wichtige Hilfestellung sein, um den eigenen Arbeitsstil zu überdenken. Ein paar Fragen als Anregung:

    • Wann ist meine beste Arbeitszeit?
    • Was lenkt mich immer wieder ab?
    • Was bestärkt mich, was motiviert mich?
    • Welche negativen Erfahrungen liegen mir immer noch im Nacken?
    • Welche positiven Erfahrung beflügelt mich bis heute?

    Der Austausch mit Kollegen und Kolleginnen über Arbeitsstile und Schreibstrategien ist oftmals sehr hilfreich. Denn, eigene Erfahrungen sind wichtig – fremde Erfahrungen sind wertvoll!

    Die kommenden 3 Wochen gleich ein „Reflexionstagebuch“ schreiben…..

  • Die nächste Krise kommt bestimmt!

    Die nächste Krise kommt bestimmt!

    Unser Hirn ist schlau, es zeigt uns unsere Welt, so wie sie uns gefällt. 🙂 Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

    „Heute und morgen schreiben ich Kapitel 4 fertig, nächste Woche werte ich dann die Daten vom Interview aus und in 8 Wochen beginne ich zu überarbeiten…“ so ungefähr kann ein Gedanke zur Schreibplanung aussehen. Diese Planung würde auch funktionieren, in einer „idealen Welt“. Aber! …da ist noch das Treffen mit der besten Freundin (ein bissi zu viel Aperol & zu wenig Schlaf), die Birkenpollen (müde, Nase rinnt, grantig), die kaputte Waschmaschine usw. Diese Verzögerer im Alltag sind bekannt, werden aber tendenziell in ihrer „schreibhemmenden Wirkung“ unterschätzt. Oft gar nicht in den Blick genommen wird meiner Meinung nach eine entscheidende Herausforderung beim wissenschaftlichen Schreiben: die Übergangsphase(n) die zwischen den verschiedenen Arbeitsschritten notwendig ist/sind. Einen Rohtext zu verfassen hat andere Anforderungen wie z. B. die Datenauswertung oder das Überarbeitung von Texten. Jede Phase hat einen eigenen Rhythmus, ist mehr oder weniger anstrengend, braucht eine andere Art und Weise des Arbeitens und Denkens usw. Der Arbeitsfluss gerät mitunter ins Stocken, die Krise ist da!

    Es kann in dieser Zeit ruhig 2 bis 3 Tage dauern, bis es wieder fließt und man genau weiß, was als nächstes getan werden muss, um wieder in den Flow zu kommen. Wird das berücksichtigt (im Zeitplan miteinberechnet), kann der mögliche Ärger darüber, dass „schon wieder nix weiter geht“, einer nüchternen Gelassenheit weichen!

    Markus Mersits

  • Frauen an die MACHT!

    Frauen an die MACHT!

    Liebe Kolleginnen,

    als Philosoph und wissenschaftlich interessierter Mensch muss ich gestehen – besonders in meinem Metier kommen viel zu wenig Frauen zu Wort! Wenn ich nachdenke kommen mir schon zeitgenössische Philosophinnen in den Sinn, z. B.

    Annemarie Pieper, Dagmar Fenner, Carmen Kaminsky, Lisz Hirn, Barbara Bleisch, Herlinde Pauer-Studer, Herta Nagel-Docekal, Susan Neiman, Judith Butler, Martha Nussbaum, Catherine Newmark usw.

    Denke ich aber an Klassiker, dann kommen mir gerade mal Hannah Arendt und Simone de Beauvoir in den Sinn.

    Wissenschaft heißt auch die ausgetretenen Pfade zu verlassen und sich auf die Suche machen, nach interessanten Ideen und Nischen des Wissens, nach großen aber vielleicht unbekannten Entwürfen, Gedanken, Ideen usw.

    Deshalb bin ich bewusst auf die Suche gegangen, um die Denkwelt von Philosophinnen besser kennen zu lernen. Dazu gibt es übrigens eine Schreibnacht, am 05. Mai im Writersstudio, 19.45 – 23 Uhr:
    Philosophisches Frühlingserwachen: Eine Schreibnacht auf den Spuren großer DenkerInnen.

    Markus Mersits

  • Ablenkung ohne Tiefgang !!

    Ablenkung ohne Tiefgang !!

    Intensive Schreibphasen sind Zeiten hoher geistiger Anforderungen und höchster Konzentration. Eine zentrale Frage im Schreibprozess ist folgende: was ist die geeignete Form der Zerstreuung, was lenkt mich ab und entspannt mich, macht mir Freude, baut mich auf, gibt mir Kraft?

    Soziale Kontakte sind natürlich wichtig und richtig, oftmalige Begleiter davon, Zigaretten, Kaffee, Alkohol eher kontraproduktiv. News aus aller Welt sind interessant, die zermürbenden Seiten davon, Krieg, Flucht, verrückte Politik usw. können sich emotional negativ auf uns auswirken. Ein paar Tage frei nehmen und sich erholen ist gut. Eine zu lange Pause bedeutet aber, sich wieder frisch Einarbeiten zu müssen, inklusive Anlaufschwierigkeiten.

    Auch abseits der Schreibarbeit vernünftige Inhalte zu konsumieren– z.B. Sachbücher lesen, Diskussionen anschauen – kann folgenden Effekt haben. Unser Hirn wird durch diese interessanten Inputs „besetzt“. Der „Arbeits- und Denkplatz“ den ich für meine Arbeit gut gebrauchen könnte, ist anderweitig beschäftigt.

    Daher noch mal die Fragen:

    • was lenkt mich ab,
    • entspannt mich,
    • macht mir Freude,
    • baut mich auf,
    • gibt mir Kraft?

    – ohne inhaltlich meine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, um mich so emotional oder intellektuell am Schreiben zu hindern.

    Markus Mersits

  • Warum ich Überarbeiten liebe

    Warum ich Überarbeiten liebe

    Personal Reading Essay zu Doris Märtin, „Erfolgreich texten“

    Von Alexandra Kaar (Historikerin am Institut für Österreichische Geschichtsforschung, Wien)

    Rohtexte zu produzieren ist für mich eine Qual. Dinge laufen und fließen zu lassen ist auch nach einigen Jahren positiver Erfahrungen mit den Methoden des writers’studio Schwerarbeit für mich, kaum jemals berauschend, selten schnell und noch seltener erfüllend, so wie es in vielen Texten beschrieben wird. Wenn ich einen Rohtext für meine wissenschaftlichen Arbeiten schreibe türmt sich mühevoll Gedanke über Gedanke, jeder strotzend von prunkendem Fachvokabular und stilistischen Finessen. Eine Schachtelsatzkonstruktion folgt der nächsten und ist mit ihr zu solch halsbrecherisch-komplizierten grammatikalischen Konstruktionen verzahnt, dass es immer wieder erstaunlich ist, wie jedes dieser Satzungetüme am Ende zuverlässig und mathematisch präzise mit Null Rest aufgeht. Fremdwörter und Passivkonstruktionen machen den Text so unpersönlich, dass er zehn Meter über der Erde schwebt und man vor Ehrfurcht vor so viel aufgeblasener akademischer Gelehrsamkeit fast erstarren möchte.

    Diese Art von Rohtexten ist ein Spiegel meines Denkens. Ich denke kompliziert, ich denke verschachtelt, ich denke in hundert Einschüben, auf die ich erst komme, wenn ich einen Gedanken niederschreibe, mit hundert Unterfragen und Widersprüchen. Ich denke im Schreiben, und mein Denken ist kompliziert und hochtrabend, weshalb meine Rohtexte kompliziert und hochtrabend sind, und oft so voll von Bäumen, dass man nicht einmal ansatzweise mehr den Wald sieht. Dieses Denken ist anstrengend, und ich bin danach erschöpft, so als wäre ich stundenlang durch diesen Gedanken-Urwald geirrt ohne den Weg hinaus zu finden.

    Doch dann beginnt glücklicherweise der Spaß. Dann wird das Unterholz gelichtet und ich mache mich auf die Suche nach dem Gedanken, der sich eigentlich in diesem Urwald verbirgt. Was will ich im Grunde sagen? Was ist die Kernaussage dieses und jenes Absatzes? Welchem Zweck dient er im Gesamttext?

    Ich suche Stellen, an denen man Punkte machen und die Sätze aufdröseln kann. Ich wandle Passiv- in Aktivkonstruktionen um. Ich freue mich über jede neue Idee, die Licht und frische Luft zwischen die einzelnen Wörter bringt. Und während dieses Überarbeitens merke ich, wie langsam, langsam die Erkenntnis wächst, was ich an einer bestimmten Stelle eigentlich sagen möchte. Langsam, langsam erkenne ich die ganze Schönheit des Gedankens, der hinter dem Dickicht verborgen war, seine Eleganz, seine Qualität.

    Überarbeiten enthüllt mir, was ich eigentlich gedacht habe, und macht mich stolz auf das, was ich begriffen habe. Erst beim Überarbeiten sehe ich, dass ein Text Gehalt und Fülle hat, dass eine Argumentation aufgeht, dass ich einen neuen Gedanken gedacht habe, den so noch niemand vor mir gedacht hat. Lange, verschachtelte Sätze sind nach Doris Märtin oft ein Zeichen dafür, dass ein Gedanke noch nicht zu Ende gedacht wurde (Märtin 2000, 139). So ist es bei meinen Rohtexten und darum liebe ich es, sie zu überarbeiten. Ich liebe es, in dieser Phase einem Gedanken auf den Grund zu gehen und seine präziseste und ästhetisch ansprechendste Form zu finden, so lange, bis der Text kein Urwald mehr ist sondern ein lichtdurchfluteter Nutzwald, in dem das herausgeschlagen wurde, was überflüssig war, und das stehen geblieben ist, was weiterwachsen kann und soll. Dann sitze ich im Schatten dieses Waldes und freue mich über seine Schönheit und wünsche mir, dass jeder Schritt des Schreibprozesses so befriedigend wäre. Aber jeder Urwald muss zuerst wuchern, damit er gelichtet werden kann; jeder Rohtext muss zuerst geschrieben werden, damit er überarbeitet werden kann.

    Alexandra Kaar

  • Wissenschaft schwitzt nicht!

    Wissenschaft schwitzt nicht!

    Ein Nachtrag zum letzten Blog-Eintrag.

    Es gehört, wie Friedrich Nietzsche (1844 – 1900) sagt, zum Geschmacke eines Schreibenden, „…einem boshaften Geschmacke vielleicht? –, nichts mehr zu schreiben, womit nicht jede Art Mensch, die »Eile hat«, zur Verzweiflung gebracht wird. Philologie nämlich ist jene ehrwürdige Kunst, welche von ihrem Verehrer vor allem eins heischt, beiseite gehen, sich Zeit lassen, still werden, langsam werden –, als eine Goldschmiedekunst und –kennerschaft des Wortes, die lauter feine vorsichtige Arbeit abzutun hat und nichts erreicht, wenn sie es nicht lento erreicht. Gerade damit aber ist sie heute nötiger als je, gerade dadurch zieht sie und bezaubert sie uns am stärksten, mitten in einem Zeitalter der »Arbeit«, will sagen: der Hast, der unanständigen und schwitzenden Eilfertigkeit, das mit allem gleich »fertig werden« will, auch mit jedem alten und neuen Buche: – sie selbst wird nicht so leicht irgendwomit fertig, sie lehrt gut lesen, das heißt langsam, tief, rück- und vorsichtig, mit Hintergedanken, mit offen gelassenen Türen, mit zarten Fingern und Augen lesen…“

    (Nietzsche: Morgenröte. Gedanken über moralische Vorurteile / Vorrede)